← Wissen · Aktualisiert am 6. November 2026 · 5 Min. Lesezeit
Bakteriostatisches Wasser (häufig als BAC Water bezeichnet) ist Wasser, dem ein konservierender Stoff zugesetzt wurde, der das Wachstum von Bakterien hemmt. Im Labor wird es vor allem als Lösungsmittel und Verdünnungsmittel eingesetzt.
Zusammensetzung
Typisches bakteriostatisches Wasser enthält:
- Steriles Wasser
- Einen bakteriostatischen Zusatz (häufig 0,9 % Benzylalkohol)
Der Zusatz verhindert oder verlangsamt das Wachstum von Mikroorganismen nach dem ersten Öffnen der Ampulle oder Flasche.
Bakteriostatisch, steril, rein: die Unterschiede
Im Labor begegnen Ihnen mehrere Wasserqualitäten. Sie sind nicht austauschbar.
| Wasserqualität | Eigenschaften | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Bakteriostatisches Wasser | Steril, mit 0,9 % Benzylalkohol, für mehrfache Entnahme | Lösungen, die über einige Zeit aus demselben Gefäß entnommen werden |
| Steriles Wasser | Keimfrei, ohne Zusatz, für einmalige Entnahme | Ansätze, die sofort verbraucht werden, oder benzylalkoholempfindliche Versuche |
| Reinstwasser (Typ 1) | Sehr geringe Ionen- und Organikbelastung, nicht zwingend steril | Analytik, HPLC-Laufmittel, Pufferherstellung |
| Destilliertes oder demineralisiertes Wasser | Entsalzt, nicht steril | Spülen, allgemeine Laborarbeiten |
Der wichtigste Unterschied ist die Entnahme. Steriles Wasser ohne Zusatz ist nach dem Öffnen nicht gegen Keime geschützt. Bakteriostatisches Wasser hemmt das Wachstum eingeschleppter Bakterien und eignet sich deshalb für Gefäße, aus denen mehrfach entnommen wird.
Wie Benzylalkohol wirkt
Benzylalkohol wirkt bakteriostatisch, nicht bakterizid. Er hemmt also das Wachstum von Bakterien, tötet sie aber nicht zuverlässig ab. Eine bereits verunreinigte Lösung wird durch den Zusatz nicht wieder steril. Sauberes Arbeiten bleibt deshalb Voraussetzung, auch wenn das Wasser konserviert ist.
Typische Einsatzbereiche im Labor
Bakteriostatisches Wasser wird unter anderem verwendet zum:
- Auflösen von lyophilisierten Substanzen
- Verdünnen von Proben
- Herstellen von Arbeitslösungen
Es ersetzt in vielen Anwendungen steriles Wasser, wenn eine längere Verwendbarkeit nach dem Öffnen gewünscht ist.
Wann bakteriostatisches Wasser nicht passt
- Zellversuche: Benzylalkohol kann in empfindlichen Zellkulturen stören. Hier ist steriles Wasser ohne Zusatz oder ein geeigneter Puffer die bessere Wahl.
- Schwer lösliche Peptide: Überwiegend saure, basische oder hydrophobe Peptide lösen sich in reinem Wasser oft schlecht. Dann helfen verdünnte Säure, Base oder ein organisches Lösungsmittel. Das Vorgehen beschreibt der Artikel Peptide lösen.
- Analytik: Benzylalkohol absorbiert UV-Licht und erscheint im HPLC-Chromatogramm als eigener Peak. Für analytische Proben ist Reinstwasser geeigneter.
- Empfindliche Proteine: Bei manchen Proteinen und längeren Peptiden kann Benzylalkohol die Aggregation fördern. Bei Trübung nach dem Lösen sollte das Lösungsmittel gewechselt werden.
Sauber arbeiten mit Mehrfachentnahme-Gefäßen
- Den Gummistopfen vor jeder Entnahme mit einem Alkoholtupfer abwischen und trocknen lassen.
- Für jede Entnahme eine neue sterile Spritze und Kanüle verwenden, etwa Laborspritzen 1 ml.
- Den Stopfen nicht berühren und das Gefäß nicht offen stehen lassen.
- Das Datum der ersten Entnahme auf dem Etikett notieren.
- Die vom Hersteller angegebene Verwendungsdauer nach dem Öffnen einhalten. Für Mehrfachentnahme-Gefäße nennen viele Hersteller 28 Tage.
pH-Wert und Pufferwirkung
Bakteriostatisches Wasser ist leicht sauer bis neutral, typischerweise mit einem pH zwischen etwa 4,5 und 7. Es ist kein Puffer. Löst man darin ein Peptidsalz, bestimmt vor allem das Gegenion den pH der fertigen Lösung, etwa ein Trifluoracetat, das die Lösung ansäuert. Für Versuche, die einen bestimmten pH-Wert brauchen, wird die Lösung deshalb anschließend mit einem geeigneten Puffer eingestellt oder verdünnt.
Viele Peptide sind in leicht saurer Lösung stabiler als bei basischem pH, weil Desamidierung und andere Abbauwege dort langsamer ablaufen. Das spricht oft für Wasser oder schwach saure Lösungen als erstes Lösungsmittel.
Gebindegröße und Verbrauch planen
Rechnen Sie vor dem Kauf aus, wie viel Wasser Sie innerhalb der Verwendungsdauer nach dem Öffnen tatsächlich brauchen. Ein großes Gefäß, das nach vier Wochen zu zwei Dritteln verworfen wird, ist teurer als mehrere kleine. Oft ist es sinnvoller, eine Peptidlösung einmal anzusetzen und in Aliquots einzufrieren, statt das Wasser über Wochen offen zu halten.
Lösungsmittel dokumentieren
Notieren Sie im Laborbuch auch Charge und Öffnungsdatum des Wassers, nicht nur die des Peptids. Weicht ein Versuch unerwartet ab, lässt sich so prüfen, ob das Lösungsmittel die Ursache sein kann.
Worauf beim Kauf achten?
- Sterilität und Herstellung nach pharmazeutischen oder laborgeeigneten Standards
- Angabe der genauen Zusammensetzung
- Geeignete Gebindegröße für den geplanten Verbrauch
- Haltbarkeitsangaben nach dem Öffnen
Achten Sie zusätzlich auf ein Verfallsdatum und eine Chargennummer auf dem Etikett. Das Gefäß sollte einen Stopfen haben, der mehrfaches Durchstechen verträgt. Eine kleinere Gebindegröße ist oft wirtschaftlicher, weil der Inhalt nach dem Öffnen nur begrenzt verwendbar ist.
Lagerung und Handhabung
Auch bakteriostatisches Wasser sollte kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden. Nach dem Öffnen ist die vom Hersteller angegebene Verwendungsdauer zu beachten.
| Zustand | Hinweis |
|---|---|
| Ungeöffnet | Bis zum Verfallsdatum auf dem Etikett, Lagerbedingungen laut Hersteller |
| Angebrochen | Verwendungsdauer laut Hersteller, Datum der ersten Entnahme notieren |
| Trübung, Partikel, Verfärbung | Nicht mehr verwenden |
Eine fertige Peptidlösung ist in der Regel deutlich weniger lange haltbar als das Wasser selbst. Wie Sie Lösungen aufbewahren, zeigt der Artikel Peptide lagern.
Häufige Fragen
Ist BAC Wasser dasselbe wie steriles Wasser? Nein. Beide sind steril, aber BAC Wasser enthält 0,9 % Benzylalkohol als Konservierungsmittel. Steriles Wasser ohne Zusatz ist für die einmalige Entnahme gedacht.
Kann ich bakteriostatisches Wasser selbst herstellen? Für reproduzierbare Laborarbeit ist das nicht zu empfehlen. Sterilität und genaue Konzentration des Zusatzes lassen sich ohne geeignete Ausstattung nicht sicherstellen.
Woran erkenne ich, dass ein Gefäß nicht mehr verwendbar ist? An Trübung, Partikeln oder Verfärbung, an einem überschrittenen Verfallsdatum und an einer abgelaufenen Verwendungsdauer nach dem ersten Öffnen.
Welche Spritzengröße passt zum Abmessen kleiner Volumina? Für Volumina unter einem Milliliter ist eine 1-ml-Spritze mit feiner Skala deutlich genauer als eine größere Spritze. Für exakte Mengen im Mikroliterbereich sind kalibrierte Pipetten mit passenden Spitzen die bessere Wahl.
Bakteriostatisches Wasser bei Alpenpeptid
Im Laborbedarf finden Sie bakteriostatisches Wasser und steriles Wasser, dazu Alkoholtupfer, Laborspritzen und eine Aufbewahrungsbox für Vials. Begriffe wie Benzylalkohol, Aliquot oder Rekonstitution erklärt das Peptid-Lexikon.
Fazit
Bakteriostatisches Wasser ist ein praktisches Hilfsmittel im Laboralltag, wenn gelöste Substanzen über einen längeren Zeitraum verwendet werden sollen. Qualität und klare Deklaration sind beim Einkauf entscheidend.
Weiterführende Seiten: Bakteriostatisches Wasser (BAC Wasser) · Laborbedarf
Nur für Forschungszwecke im Labor. Nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier.







